Verknüpfung von funktionellen Merkmalen, Biomassestruktur und Feuerexposition in südamerikanischen Trockenwäldern: Ein kollaboratives Forschungsnetzwerk
Südamerikanische Trockenwälder – vom argentinischen Dry Chaco bis hin zu den mediterranen Landschaften Chiles – stehen unter erheblichem Druck durch den Klimawandel, Landnutzungswandel und Brände. Dieses Projekt unter der Leitung von Axel Gualdoni-Becerra (Universität Göttingen) ruft das „South American Dryland Resilience Forum“ ins Leben. In Zusammenarbeit mit Dr. Sebastián Torrella (U. Buenos Aires, Argentinien), Dr. Dylan Craven (U. Mayor, Chile) und Dr. Rodrigo San Martín (U. Paris-Saclay, Frankreich) verknüpfen wir funktionelle Merkmale (functional traits) mit der Biomassestruktur und der Feuerexposition.
Ziel der Mission ist die Harmonisierung von Forschungsprotokollen sowie der Aufbau von Open-Access-Datenpipelines, um zu verstehen, wie diese einzigartigen Ökosysteme auf Umweltstress reagieren. Diese Kooperation fördert das nachhaltige Management und den Schutz der Biodiversität und stärkt zugleich die internationale Vernetzung für FAIR-Datenformate und die Resilienzforschung.
Trockenwald
Hintergrund und Forschungsansatz: Trockengebiete bedecken nahezu 40 % der Landoberfläche der Erde und tragen erheblich zur Kohlenstoffspeicherung und Primärproduktion bei, gehören aber zu den am stärksten von Landnutzungswandel, Fragmentierung und Feuer betroffenen Systemen. In Südamerika veranschaulichen der argentinische Trockenchaco und die mediterranen Trockenwälder Zentralchiles das „funktionale Paradox der Trockengebiete": Trotz geringer Wasserverfügbarkeit weisen sie eine unerwartet hohe funktionale Diversität auf, während sie zunehmender Entwaldung und Aridifizierung ausgesetzt sind. Aufbauend auf meiner Promotion zu funktionalen Merkmalen, Biomasseschätzung und Randeffekten im Trockenchaco zielte diese STSM darauf ab, ein vergleichendes, merkmalsbasiertes Forschungsnetzwerk für die Trockengebiete Südamerikas aufzubauen und Daten sowie Protokolle zwischen den argentinischen und chilenischen Partnern abzustimmen.
Rolle der Short-Term Specific Mission: Die Mission finanzierte zwei jeweils einwöchige Präsenz-Sprints mit Vorträgen und strukturierten Diskussionsforen: an der Universidad Mayor (Santiago de Chile) mit Dr. Dylan Craven und an der Universität Buenos Aires mit Dr. Sebastián Torrella; Dr. Rodrigo San Martín (Universität Paris-Saclay) trug virtuell bei. Abgestimmt auf meinen Vortrag bei der IUFRO-Konferenz in Coyhaique (Chilenisch-Patagonien), nutzte sie den vom DAAD finanzierten Interkontinentalflug optimal. Die STSM-Förderung deckte die zusätzlichen Reise- und Unterkunftskosten vor Ort, ohne die die Präsenztreffen nicht möglich gewesen wären.
Wissenschaftlicher Austausch und Integration: Die Workshops machten sozial-ökologische Parallelen zwischen beiden Systemen sichtbar: Beide sind durch fortschreitende Aridifizierung und exportorientierte Rohstoffökonomien geprägt, die Entwaldung und Feuer vorantreiben. Dieser gemeinsame Kontext bildet eine starke Grundlage für vergleichende Resilienzforschung. Die Partner einigten sich auf einen Fahrplan zur Dateninteroperabilität: Harmonisierung funktionaler Merkmale (nach AusTraits-Standard und Merkmals-Ontologien) und der Taxonomie (nach Kew Gardens) sowie Aufbau einer gemeinsamen, herbarbelegten Merkmalssammlung. Die durch Kolleg:innen wie Dr. Javier Lopatin bereicherten Diskussionen in Santiago ergaben einen konkreten Workflow: Rekonstruktion der klimatischen Stabilität seit dem letzten glazialen Maximum zur Prüfung von Merkmalskonvergenz und zur Trennung evolutionärer von klimatischen Signalen; Verknüpfung funktionaler Diversität mit Biomasse und NDVI-Zeitreihen; Blühphänologie als Proxy für die Bruttoprimärproduktion; sowie Gegenüberstellung akquisitiver Strategien und merkmalsbasierter Störungsantworten. Der Sprint in Buenos Aires konzentrierte sich auf die Standardisierung mit Herbarmaterial und die Projektion des funktionalen Raums unter künftigen Klimaszenarien.
Organisation, Rahmenbedingungen und Ausblick: Beide Workshops wurden an den Partnerinstitutionen ausgerichtet; das Format aus Vorträgen und Diskussionsforen erwies sich für die zügige gemeinsame Konzeption als sehr wirksam. Die Förderung der Eva Mayr-Stihl Stiftung ermöglichte die Reisen und Unterkünfte vor Ort. Die Mission begründete eine dauerhafte, transnationale Zusammenarbeit, die über Online-Treffen fortgeführt wird. Nächste Schritte sind ein gemeinsamer, versionskontrollierter Analyse-Workflow sowie ein gemeinsames Manuskript zu konvergenten und kontextabhängigen funktionalen Strategien in südamerikanischen Trockenwäldern. Das Netzwerk stärkt die Landschaftsresilienz-Agenda der Universität Göttingen und fördert FAIR-konformes Datenteilen mit klarer Relevanz für Biodiversitätsschutz und feuerangepasstes Management.
Ergebnis: Zu den unmittelbaren Ergebnissen zählen eine Pipeline für standortübergreifende Merkmalsanalysen, ein Konzept zur Verbindung von Fernerkundung und funktionaler Ökologie sowie ein vereintes Forschungsnetzwerk.
Short-Term Scientific Missions
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